Ein paar Tage vor dem Wochenende 5. und 6. Juni wurde nun endgültig geplant. Tom hatte etliche Flugplätze gecheckt und Kontakt aufgenommen. Vielen Dank dafür. Wirklich klasse!
Was aber dann am Freitag gemeldet wurde, hat unseren Plan komplett umgeworfen. In Tchechien und Polen stehen sämtliche Plätze unter Wasser. Landen kein Problem aber Schleppen nicht möglich. Gut wenn man vorher die Plätze checkt.
Nun ja, was tun? Natürlich fliegen, denn die Wetterprognose für die Alpen schaut gut aus. Alpensüdseite besonders nett.
Unser Plan: Am Samstag so weit nach Westen wie geht. Lienz Nikolsdorf oder Nötsch übernachten und am Sonntag über Umwege wieder nach Kirchheim. Klingt doch gut oder?
Die Fliegerbesetzung wurde von Tom folgendermaßen festgelegt. Benni ASH26e, Tom und Chris LS4, Karim und Fritz DG1000t. Die nicht so erfahrenen Streckenflieger hatten also einen Trainer und oder einen Motor dabei.
Samstag früh:
Flieger ausräumen, voller Vorfreude alles zusammenpacken, eine kleine Fliegerbelegungsänderung durchführen. Fritz fand es besser, wenn Tom und ich im Doppelsitzer fliegen. So ist er unser Obmann - Toll !
Die Wetterprognose vom Samstag: Blauthermik im Alpenvorland und Hauptkamm.

Es geht los. Unser Fritz als erster mit einem langen Schlepp Richtung Schafberg. Alles blau und kein Anezichen von guter Thermik. Dann Benni in der ASH26, um vom Kobernaußer Wald es ohne Motor zu probieren und den anderen wertvolle Infos bzgl. Thermik zu geben. Dann Tom und ich in der DG1000 mit einem weiten Schlepp bis kurz vor den Mondseeberg. Danach Chris weiter östlich schleppend.
ausgeklingt:
Tja, jetzt gehts los und vom Gefühl her, lag das Ende des Wandersegelflugwochenende hier schon sehr nahe. Keine wirklich nutzbare Thermik. Erster Versuch östlich um den Schafberg - nix, dann weiter Richtung Leonsberg ein wenig 0,2m/s mal in der Thermik parken. Fritz kämpft sich unglaublich hier wieder hoch. Er war wohl vorher immer wieder kurz vorm Absaufen gewesen und kreist nun unter uns. Benni sucht noch ein Stockwerk tiefer nach dem Auslöser des Barts.

Danach gehts weiter Richtung Bad Ischl rüber zur Kathrin und wieder nix ausser 0,5m/s und nicht höher als 1700m NN. Irgendwas läuft hier schief denke nicht nur ich, wenn das so weiter geht, dann wird das eine zähe Partie. Tom achtert uns von der Kathrin weiter Richtung Einberg bei Abtenau. Jetzt meldet Herbert, der auch unterwegs ist 2m/s Steigen am Rossbrand und das klingt doch gut. Aber da müssen wir erstmal hinkommen gell :). Am Einberg angekommen traue ich meinen Augen nicht...
Ein Schwarm von Paragleitern von West nach Ost fliegend taucht plötzlich auf. Auf einmal sind sie überall aber auch total hoch. Das heisst mal dass es hier irgendwo gut hochgeht aber auch, dass wir höllisch aufpassen müssen. Es sind ungezählt 150 Schirme auf einem langgezogenen Haufen. Chris meldet über Funk, dass gerade die EM 2010 in Abtenau läuft und nach 2 Wochen Schrottwetter haben die Paragleiter ihren dritten Durchgang - unglaublich.

So jetzt haben wir alle verjagt bzw. sind die Schirme weitergeflogen und wir können vom Achtern am Hang endlich mit 2m/s auf 2500m NN aufkurbeln.
Weiter zum Rossbrand, wo Benni gerade sehr sportlich und tief ankommt und gleich 2m Steigen meldet. Wir kommen jetzt auch dort an aber der Bart ist oben ziemlich stumpf und so fliegen wir gleich weiter Richtung Hauptkamm, denn da wollen wir gleich rüber fliegen.
Über die Tauern ging es erstaunlich gut und wir sind an unserem schon vom TAL bekannten Hammerbart bei der Fanninghöhe nördlich von Mauterndorf im blauen gestiegen. Benni dicht neben uns wählt eine etwas versetzte Linie. Mit mehreren Flugzeugen auf gleichem Kurs ist es praktisch, denn immer wieder findet einer einen guten Bart und gibt die Info an die anderen weiter. So bringt Teamfliegen Spass.

Unser Kurs ist jetzt Südwest Richtung Lienz Nikolsdorf überfliegen aber die Gailtaler Alpen, um am Karnischen Hauptkamm zu fliegen (Dies ist dann die Grenze zwischen Österreich und Italien und das Tal das in entgegengesetzter Richtung nach Nötsch und in die Karawanken führt).

Unser Kurs ist jetzt Südwest Richtung Lienz Nikolsdorf überfliegen aber die Gailtaler Alpen, um am Karnischen Hauptkamm zu fliegen (Dies ist dann die Grenze zwischen Österreich und Italien und das Tal das in entgegengesetzter Richtung nach Nötsch und in die Karawanken führt).
Benni haben wir jetzt etwas verloren. Er fliegt jetzt ohne Moving Map, weil hier seine Karte zu ende ist :) und fragt wo wir sind. Er ist im nördlichen Tal von Lienz und fliegt ebenfalls nach Südwesten weiter. Hier gehts wirklich super. An den Hängen stehen überall gute Bummerl, weiter südlich im nächsten Tal ist allerdings eine sehr diesige Luft mit sehr wenig Sicht. Wahrscheinlich feuchte Warmluft von Süden. Gut, da fliegen wir nicht rein.
Benni muss meine Positionsmeldung im Funkspruch aber irgendwie falsch verstanden haben und so ist er genau in die Suppe dort reingeflogen und konnte leider nur mit Motor wieder flüchten. Nichts desto trotz ein schöner Flug von ihm, denn es geht für Benni ja noch weiter Richtung Bruneck bzw. Sterzing.
Hier unten ist dann auch etwas mehr Verkehr. Ein wildes Dreierteam rauscht auf uns zu kurbelt recht zügig auf. Das Flarm hat hier wieder mehr zu tun. Chris gesellt sich nun zu uns und wir fliegen in 3300m NN weiter Richtung Cortina, wo auch Herbert sich gemeldet hatte. Bis hier läuft alles wirklich gut. Die Anziehungskraft der Dolomiten war für Chris aber besonders hoch und so ging es für das Team aus LS4 und DG1000 nun weiter Richtung Bozen. Der Plan war dann so viel Höhe wie möglich hier mitzunehmen, um den weiten Sprung über das Tal bis zu den Ortler Alpen zu schaffen. Da hinten (50km entfernt) sah es wieder schön aus. Ich habe ab hier allerdings ein etwas mulmiges Gefühl. Es gibt zwar auch hier unten markierte Aussenlandewiesen aber der Rest ist absolut unlandbar. Alles voll mit Obst und Weinplantagen.
Wir fliegen mit 3300m NN ab über das Tal einen nächsten Bart über dem Monte Roen anvisiert. Als wir allerdings näher kommen, fällt das Bummerl zusammen und wir können nur 0,2m bzw. nichts mehr holen. In 2700m NN gehts dann weiter in das nächste Tal, das südlich von Bormio liegt. Hier kommen wir wirklich tief an und wir sind etwas unsicher, wo hier denn der Bart bzw. überhaupt ein Bart hochgeht. Christian ist hinter uns und fliegt erst jetzt über das Tal von Bozen. In der Zeit sollten wir hier was finden. Wir fliegen die Hänge ab und Tom findet nach langem Suchen das Zentrum. Das war schon etwas spannend. Die Berge sind hier alle hoch und das Tal ist eng. Unter uns liegt aber die Aussenlandewiese MALE KatA - beruhigend. Wir steigen von 2200m auf 3200m und fliegen weiter nach Ponte Di Legno, um hier wieder nach Norden Richtung Bormio und dann weiter über Meran nach Nötsch zu fliegen.
Daraus wurde aber nichts. An den Hägen geht nichts. Kein Heber, gar nichts. Tote Luft und wir müssen den Plan verwerfen und umdrehen. Gleiche Strecke wieder zurück und schauen, wo wir noch was finden. Die Optik wechselt nämlich zunehmend auf blauer Himmel und wenig Bummerl. Es ist jetzt 17:30 lokal und wir kurbeln jetzt im gleichen Tal nur am Südhang wieder auf 3390mNN auf. Chris schließt nun auf und wir überlegen, wie wir hier wieder zurück kommen. Vor uns Richtung Bozen ist alles blau geworden.
Es wird hier wirklich spannend. Wir suchen gemeinsam an den Westhängen westlich von Bozen nach rettendem Steigen aber nichts geht hier. Es scheint alles aus zu sein. Wir fliegen weiter Richtung Meran und versuchen am Westhang etwas zu finden. In 2800m NN ist hier aber wieder nichts. Wir sind jetzt schon 50 km ohne etwas gefunden zu haben geflogen und versuchen den Sarntaler Alpen noch etwas zu entlocken. Vor uns aber viel zu weit entfernt steht ein schönes Bummerl - südlich von Sterzing. Es geht an der gesamten Westseite der Sarntaler überhaupt nichts. Chris mit der LS4 vor uns sucht dicht am Hang fliegt dann weiter den Hang nach norden folgend und meldet steigen. Uff, das war es, wonach wir jetzt eine Stunde gesucht hatten. In 2100m NN steigen wir nun wieder in einem schönen Bart dank Chris und verlassen den Bart in 3700m NN. Das war ein Erlebnis!
Es ist jetzt 18:45 lokal und wir checken unsere Endanflugrechner. Nach Nötsch langt es für uns nur knapp und wir tragen schon einigen Mücken. Chris neben uns fliegend, hat noch 3oom zu wenig. Ich versuche Benni zu erreichen und melde unsere Position und dass es wahrscheinlich nach Nötsch nicht langt. Nach Lienz Nikolsdorf kommen wir aber von hier aus. Vor uns in 40km Entfernung steht aber genau auf Kurs ein wirklich hammermäßiges Bummerl und wir spekulieren darauf dort nochmal auf 3800 oder vielleicht 4000m zu kommen. Das wärs natürlich. Wir haben jetzt 19:30 lokal und sind kurz vor dem Bummerl. Es zieht an und wir steigen mit 2m/s und mehr auf 4000mNN. Oh mann, das war geil. Jetzt sollen wir es geschafft haben. Wind checken, Mückenpolare bzw. Gleitzahl einstellen und Endanflug auf Nötsch.
Es sind jetzt sage und schreibe 130km auf Nötsch und unser Endanflugrechner in der DG1000 sagt uns 500m +. Chris hat 300m+. Ich rufe schnell Benni an und sage ihm, dass wir es schaffen und nach Nötsch kommen. Benni ist früher gewendet und in Nötsch gelandet und wartet nun auf uns.
Die Stimmung bei dem Endanflug war wirklich grandios. Die Optik bei dem Sonnenstand und den von Süden über die Gipfel gleitenden Wolken ist unbeschreiblich. Gut das ich so viele Fotos mache :). Es sieht aus, wie ein Meer von Wolken und wir weit darüber. Wir haben jetzt noch ca. 1 Stunde zu fliegen und entspannen uns. Wir müssen nur noch den möglichen Talwind im Auge behalten und nicht in Lee geraten. Ich fliege mitten über dem Tal, auf der Suche nach Umkehrthermik und finde ein sehr gute Linie mit teilweise leichten Steigen. Unsere Endanflughöhe wird mehr und mehr. Ja! das bringt doch Spass.
Chris fliegt seitlich versetzt und man sieht nun deutlich die geringere Gleitzahl der LS4 gegenüber der DG1000. Es wird dunkel im Tal, denn es ist jetzt nach 20 Uhr lokal, die Schatten werden länger und der Flugplatz Nötsch kommt in Sicht. Chris meldet sich auf der Frequenz und fliegt direkt an. Seine 300m + Ankuftshöhe hat er bis zum Schluß gehalten. Wir beobachten ihn über der Bahn kreisend bei seiner Landung. Super. Er hats geschafft und rollt nach links zu den anderen Maschinen aus. Wir haben noch 600m und ich kreise langsam nach unten. Ich melde mich zur Landung. Gegenanflug. Queranflug und Endanflug. Sauber setze ich die DG1000 auf die Bahn, fange sie leicht ab und lenke sie links aus der Bahn heraus.
Wir sind gelandet. Was für ein geiler Tag mit allen Schwierigkeiten am Anfang und am Ende. Der erste Tag unseres Wandersegelflugwochenendes war geschafft und Benni kommt mit 2 Flaschen Bier auf uns zu.
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Tolle Sache, lieber Karim!
AntwortenLöschenIch gratuliere zum gelungenen Wanderflug, war bestimmt ein sehr abenteuerliches Erlebnis!
Ich wünsche dir (euch) weitere so tolle Flüge!
Peter